Wann sie sich für Selbstständige und Unternehmer lohnt.
Viele Selbstständige und Unternehmer stehen irgendwann vor der Frage, wie sie Gewinne steuerlich sinnvoll strukturieren, Vermögen aufbauen und unternehmerisches Wachstum strategisch planen können. Spätestens wenn die Gewinne steigen oder mehrere Geschäftsbereiche entstehen, rückt ein Begriff immer häufiger in den Fokus: die Holding.
Im Internet wird die Holding oft als „Steuersparmodell“ dargestellt. Gleichzeitig herrscht Unsicherheit darüber, für wen eine Holding wirklich sinnvoll ist – und wann sie mehr Aufwand als Nutzen bringt. Genau hier setzt dieser Beitrag an.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- was eine Holding ist und wie sie funktioniert
- welche steuerlichen Vorteile bestehen
- welche Voraussetzungen erfüllt sein sollten
- wo die Grenzen und Risiken liegen
- und ob eine Holding für Ihre unternehmerische Situation sinnvoll ist
Was ist eine Holding?
Eine Holding ist keine eigene Rechtsform, sondern eine Unternehmensstruktur. In der Praxis handelt es sich meist um eine Holding-GmbH, die Anteile an einer oder mehreren operativen Gesellschaften (z. B. GmbH oder UG) hält.
Typischer Aufbau:
- Holding-GmbH (Muttergesellschaft)
- eine oder mehrere operative Gesellschaften (Tochtergesellschaften)
Die operative Gesellschaft erwirtschaftet Gewinne. Diese können – unter bestimmten Voraussetzungen – nahezu steuerfrei an die Holding ausgeschüttet werden.
Warum interessieren sich Unternehmer für eine Holding?
Die Gründe sind meist strategischer Natur:
- Gewinne sollen nicht vollständig privat versteuert werden
- Kapital soll für Investitionen zur Verfügung stehen
- mehrere Geschäftsbereiche sollen sauber getrennt werden
- langfristiger Vermögensaufbau ist geplant
- Unternehmensverkauf oder Nachfolge sollen vorbereitet werden
Eine Holding ist dabei kein kurzfristiges Steuersparmodell, sondern ein Instrument für unternehmerische Planung.
Der zentrale Steuervorteil einer Holding
Fast steuerfreie Gewinnausschüttung
Der wichtigste Vorteil liegt im sogenannten Beteiligungsprivileg.
Wenn eine Holding-GmbH mindestens 10 % der Anteile an einer Tochter-GmbH hält, gilt:
- 95 % der ausgeschütteten Gewinne sind steuerfrei
- nur 5 % gelten als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben
In der Praxis führt das zu einer effektiven Steuerbelastung von ca. 1,5 % auf Holding-Ebene.
Beispiel:
- operative GmbH erzielt 100.000 € Gewinn
- Ausschüttung an Holding
- Steuerbelastung in der Holding: ca. 1.500 €
- rund 98.500 € stehen für Reinvestitionen zur Verfügung
Zum Vergleich:
Bei privater Ausschüttung würden ca. 25–28 % Kapitalertragsteuer anfallen.
Reinvestieren statt privat versteuern
Der große Vorteil der Holding zeigt sich, wenn Gewinne nicht privat benötigt, sondern weiter investiert werden sollen.
Typische Einsatzbereiche:
- Beteiligungen an anderen Unternehmen
- Immobilieninvestitionen
- Aufbau neuer Geschäftsfelder
- Rücklagen für Wachstum
- Unternehmenszukäufe
Die Holding wirkt hier wie ein steuerlich effizienter Investitionspool.
Holding und Unternehmensverkauf
Ein weiterer zentraler Vorteil zeigt sich beim Verkauf von Unternehmensanteilen.
Verkauft die Holding Anteile an einer Tochtergesellschaft, gilt ebenfalls:
- 95 % des Veräußerungsgewinns sind steuerfrei
Praxisbeispiel:
- Verkaufspreis: 1.000.000 €
- Steuerpflichtig: nur 5 %
- Effektive Steuerlast: ca. 15.000 €
Privat würde derselbe Verkauf regelmäßig eine deutlich höhere Steuerbelastung auslösen.
Für Unternehmer mit Exit-Perspektive ist die Holding oft ein entscheidender Faktor.
Trennung von Risiken und Geschäftsbereichen
Neben steuerlichen Aspekten spielt auch die Risikotrennung eine große Rolle.
Durch mehrere operative Gesellschaften können:
- Geschäftsbereiche sauber getrennt werden
- Haftungsrisiken isoliert werden
- einzelne Projekte leichter verkauft oder geschlossen werden
Die Holding bleibt dabei strategische Schaltzentrale, während operative Risiken in den Tochtergesellschaften liegen.
Für wen ist eine Holding sinnvoll?
Eine Holding kann sinnvoll sein, wenn:
- dauerhaft Gewinne erzielt werden
- nicht der gesamte Gewinn privat benötigt wird
- Wachstum oder Investitionen geplant sind
- mehrere Geschäftsfelder existieren oder entstehen sollen
- langfristige unternehmerische Planung im Vordergrund steht
Typischerweise lohnt sich eine Holding ab einem bestimmten Gewinnniveau – pauschale Grenzen gibt es nicht, häufig beginnt die Relevanz aber ab ca. 100.000–150.000 € Jahresgewinn.
Wann ist eine Holding eher nicht sinnvoll?
Nicht jede Selbstständigkeit profitiert von einer Holding.
Eher ungeeignet ist sie, wenn:
- der Gewinn vollständig privat benötigt wird
- nur ein kleines, stabiles Einzelunternehmen besteht
- kurzfristige Steuerersparnis im Vordergrund steht
- der zusätzliche Verwaltungsaufwand nicht getragen werden soll
Eine Holding ersetzt keine solide steuerliche Basis, sondern baut darauf auf.
Laufende Pflichten und Kosten
Eine Holding-Struktur bedeutet:
- zusätzliche Buchhaltung
- Jahresabschlüsse für mehrere Gesellschaften
- Steuererklärungen
- höhere Beratungskosten
Diese laufenden Kosten müssen wirtschaftlich sinnvoll sein und durch die steuerlichen Vorteile gedeckt werden.
Typische Fehler bei der Holding-Gründung
In der Praxis treten immer wieder dieselben Fehler auf:
- Holding ohne klare Strategie gegründet
- operative Gewinne werden trotzdem privat entnommen
- falsche Reihenfolge bei der Gründung
- steuerliche Voraussetzungen nicht eingehalten
- Holding wird als „Steuerspartrick“ missverstanden
Eine Holding sollte immer individuell geplant werden.
Holding vs. andere Gestaltungsmodelle
Je nach Situation können Alternativen sinnvoller sein:
- vermögensverwaltende GmbH
- gezielte Investitionsmodelle
- Nachfolgeplanung ohne Holding
- Kombination mit Stiftung oder Familiengesellschaft
Eine gute Steuerberatung prüft mehrere Optionen, bevor sie eine Holding empfiehlt.
Checkliste: Ist eine Holding für Sie interessant?
- Erzielen Sie regelmäßig Gewinne?
- Benötigen Sie nicht den gesamten Gewinn privat?
- Planen Sie Investitionen oder Wachstum?
- Denken Sie langfristig unternehmerisch?
- Sind mehrere Geschäftsfelder relevant?
Wenn Sie mehrere Fragen mit Ja beantworten, lohnt sich eine fundierte Prüfung.
Muss es eine GmbH sein?
In der Praxis fast immer, da nur Kapitalgesellschaften vom Beteiligungsprivileg profitieren.
Kann ich eine Holding nachträglich gründen?
Ja, allerdings ist die Gestaltung komplexer und sollte steuerlich begleitet werden.
Ist eine Holding steuerfrei?
Nein. Sie bietet steuerliche Vorteile, aber keine vollständige Steuerfreiheit.
Wie lange dauert die Gründung?
Je nach Struktur mehrere Wochen bis Monate.
Brauche ich zwingend einen Steuerberater?
Ja. Fehler bei der Holding-Gründung können teuer werden.



